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Alfherî

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Samstag, 19. September 2009, 16:40

Das verratene Mädchen

Vespa saß mit verschränkten Armen im Wagen. Um den Wagen herum hörte man das Huftrappeln der Prätorianer und das Rauschen des Windes in den Bäumen. Gelegentlich wurde diese Ruhe durch Vespas stilles Weinen gestört. Nicht vor Trauer, aber doch vor Wut auf ihren Vater. Vespa war die erstgeborene des Gaius Marius, einem einflussreichen Politiker in der Provinz Germania Minor. Seit 15 Jahren führte er Kämpfe gegen die benachbarten Chattenstämme der Germanen. Schon oft hatte Vespa gesehen wie sie wie wilde Bestien aus dem Wald über Höfe herfielen, Vieh und Nahrung stahlen und jeden töteten, der sich ihnen in den Weg stellte. Auch die 30 Prätiorianer ihrer kaiserlichen Hoheit vermochten dem keinen Einhalt zu gebieten. Gaius Marius, dem Geld und Ruhm immer mehr wert war, als das wohlergehen seiner Familie, mit Ausnahme seiner Söhne, versprach sich von einer Heirat mit dem Sohn eines Chattenhäuptlings, dass für eine Weile Friede einkehren würde und sich die Provinz erholen könnte. Das hätte ihm sicher Reputation und vor allem die Möglichkeit eines vernichtenden Angriffs auf die Germanenlager beschert. Vespa, seine älteste Tochter wählte er für diese Aufgabe aus. Da sie mit ihren 17 Jahren bereits sehr alt war und sich bislang gegen die Heirat mit einem feinen römischen Pinkel gewehrt. So musste sie nun in die Wälder reisen, in der Gewissheit, die Frau eines wilden zu werden, eines Barbaren.

"Ich hasse dich Vater! Wie kannst du mir das antun? Ich bin die schönste deiner Töchter und du willst mich mit einem Germanen verheiraten. Deine Töchter waren dir nie etwas wert, nur deine Söhne und deine Titel! Ich hasse dich!"

So schluchzte die arme Vespa vor sich hin. Innerlich hatte sie mit ihrem Leben abgeschlossen. Sie würde wohl unter den Germanen geschlagen, getreten, ihren grausamen Göttern geopfert werden oder sonstwas. Am meisten fürchtete sie sich davor geschändet zu werden. Ihre Mutter sprach häufig davon und warnte sie, sich ihrem germanischen Mann nicht zu verweigern. "Diese wilden nehmen sich was sie wollen, mein Kind." sagte sie immer.

"HALT !"
Der Wagen hielt an und die Hufen verstummten. Ein Prätorianer öffnete den Wagen und zog Vespa unsanft herraus. Sie waren auf einer Weide angekommen, wo die Übergabe wohl stattfinden sollte. In ihren Tränen schaute Vespa nicht nach oben. Ihre wunderschönes langes gelocktes Haar fiel über ihr Gesicht und verdeckte es. Als sie jedoch stehenblieben und sie doch nach oben schaute, sah sie die wilde Delegation vor sich. 3 Männer und 4 Frauen, allesamt in germanischer Kleidung. Die Männer trugen Bart und lange Haare, waren groß und kräftig, vernarbt und grimmig. Die Frauen waren sehr jung, einige vielleicht jünbger als Vespa selbst.
Die Prätorianer stellten sich schützend mit gezogenen Waffen um Vespa herum und gingen langsam auf die Germanen zu. Die 3 Germanen sahen noch grimmiger drein, als vorher. Einer der Germanen knurrte etwas in sich hinein, sogleich jedoch stand scheinbar sein zugehöriges Weib an seiner Seite, strich über seine Harre und flüsterte ihm grinsend etwas ins Ohr. Daraufhin lächelte er, küsste ihre Stirn und beruhigte sich wieder.
Der Prätorianer, der Vespa führte stand nun direkt vor den Germanen. Er war des germanischen nicht mächtig und machte sich keine Gedanken um seine Sprache und seinen Tonfall. Er warf Vespa zu ihren Füßen:
"Hier für euch, ihr Wilden. So etwas habt ihr sicher nicht so oft!"

Vespa fiel auf den Boden, lag mit ihrer weißen Toga im Dreck. Ihr Gesicht mit Tränen bedeckt und schluchzte. Die Germaninnen schlugen sofort mit weitaufgerissenen Augen die Hände über den Köpfen zusammen und eilten zu ihr. Sie waren sehr besorgt um Vespa. Eine solche Behandlung für eine künftige Frau und Stammeshäuptlingstochter, war für sie mehr als ungewohnt.
Eine der Germaninnen fing selbst an zu weinen, da sie so erschrocken war. Zügig halfen sie ihr auf und nahmen warme Tücher und wickelten sie darin ein. Sie umarmten sie liebevoll und gingen langsam in Richtung Wald, wo sie herkamen. Eine der Frauen pfiff den Männer zu, die noch sehr grimmig vor den Prätorianern standen:
"Kô hâr, Dugunthiz!"

Sogleich machten die Männer kehrt und folgten den Frauen in den Wald. Vespa sprach kein Wort und schaute niemanden an. Sie fühlte sich misshandelt und nun der Hölle ausgeliefert. Was auch immer auf sie warten sollte, dachte sie, es könne nichts Gutes sein.
Schon das betreten des Waldes steigerte ihr Unbehagen. Es war dunkel, finster und Wege gab es auch nicht. Und zwischen diesen Wilden war ihr sowieso nicht geheuer. Während des gesamten Weges fürchtete sie, dass die Germanen plötzlich über sie herfallen würden. Sie versuchte sich abzulenken, indem sie an zu Hause dachte. An die Orangen aus dem Süden, die Speisen, die Bäder, die Thermen, an all ihen Luxus dachte sie.
Ein lauter Ruf holte sie jedoch in die Realität zurück. Sie standen an einer Holzpalisade, die wohl die Siedlung eingrenzte. Am Eingangsbogen stand ein großer, sehr großer Mann mit einem gewaltigen Schild.
"Nâw houd Wyb ar fhal Druhti?"

Der Mann kam näher an Vespa heran und schaute sie an. Mit angsteinflößender Stimme strich er über ihre Wangen, als sei sie ein Spielzeug."
"Walla hud a mirtiz Romana, hehehe."

Nun schien genau das zu geschehen, was Vespa die ganze Zeit befürchtete. Sie kniff die Augen zusammen und drehte ihr Gesicht weg. Ein lauter Ruf ließ ihren Blick jedoch wieder zurückschnellen.

"HAWD!"

Der Ruf kam von einem Germanen, der sehr hoch gewachsen war. Er war schlank, trug einen kurzen Bart und in seinem Haar waren edle Flechten eingearbeitet. Er durfte wohl aum älter als 22 gewesen sein. Trotz seiner körperlichen Unterlegenheit stellte er sich direkt vor den Torwächter und blickte ihn scharf an. Der Torwächter schien sehr überrascht und gab nur stotternde Laute von sich. Der dazugekommene junge Germane hörte sich dies mit finsterer Miene an, dann schrie er:

"Ui, hin !!!!"

Alfherî

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2

Samstag, 19. September 2009, 16:42

Das verratene Mädchen 2

Sofort fiel der Torwächter auf die Knie und erhob sein Haupt nichtmehr.
Wer auch immer dieser junge Germane sein mochte, er genoß großen
Respekt. Er war es auch, der die kleine Gruppe in das große Langhaus
auf dem Hügel führte. Dort brannten nur zwei Feuertöpfe und es war
unheimlich finster darin. Am Ende des Hauses saß ein großer älterer
Mann auf einem Thron aus einfach Holz.
Auch Vespa verstand, wo sie sich nun befand, dies war die Halle des Königs, des Häuptlings. Und der
junge Germane war wohl sein Leibwächter. Das Langhaus stand voll mit
verzierten Waffen, Schilden, Rüstungen, Schmuck und Prunk aus allerlei
Ländereien. Sgar seidenes Tuch lag dort. Ein wenig überrascht über
solche Reichtümer begann Vespa doch sich neugierig umzusehen. Besonders
die merkwürdigen Schnitzereien auf allen möglichen Gegenständen
erstaunten sie. Sie waren von einer solchen Kunstfertigkeit, wie sie es
nichtmal bei ihrer reichen Tante in Rom zu sehen bekam.
Ohne weiteres Gerede ging die kleine Gruppe von Frauen und Männern aus der
Halle hinaus. Nur Vespa, der junge Germane und der König waren nun in
dieser Halle. Am Eingang wurde ein Tuch entwickelt, so dass ichtmal
mehr Licht von außen hereindrang.
Obwohl sie Germanen hasste fühlte sie sich zwischen den Frauen ein wenig beschützt, doch hier
wurde ihr nun klar, dass sie völlig allein an einem der unheimlichsten
Orte ihres Lebens stand. Der König richtete sich auf und winkte die
junge Römerin zu sich heran. Diese trat nur zögerlich in seine
Richtung. Besonders unbehaglich war, dass der Leibwächter jede einzelne
Bewegung von Vespa genau verfolgte und sie mit jeden Blick genau
untersuchte.
Nach einer Zeit, stand sie tatsächlich vor den König.
Auch wenn Vespa ihn als Barbaren betrachtete war dieser Mann von einer
solch erhabenen Gestalt, dass Vespa es nicht wagte ihn näher anzusehen.
Und ihre Angst konnte sie ebenfalls nicht verstecken. SIe zitterte am
ganzen Körper. Auch machte sie sich Gedanken was nun mit ihr geschehen
würde. SIe wusste zwar, dass sie hier verheiratete werden sollte.
Jedoch fürchtete sie, dass dieser Mann dort ihr zukünftiger Gatte sein
sollte. Sie wurde panisch und trat einen Schritt zurück. Der König
zuckte mit der Augenbraue als wollte er abwarten was sie als nächstes
tun würde. Sie wandte sich um und rannte in Richtung Ausgang. Der König
grinste nur und ehe Vespa es sich versah stand der junge Leibwächter
vor ihr und streckte beide Arme vor der Tür aus, so dass sie nicht
davonlaufen konnte. Er fing sie auf und hob sie sanft an, um sie zurück
vor den König zu bringen.
Vespa wehrte sich, kratzte und Biss, aber der Leibwächter ließ sich davon nicht beeindrucken.

"Lass
mich los du wilder Mistkerl. Ich bin eine Römerin! Niemand nimmt mich
einfach, ohne meine Zustimmung. Du hälst dich wohl für was besseres! In
der Unterwelt sollst du schmoren du dreckiger ungepflegter Wilder."

Als der Leibwächter sie absetzte konnte sie kurz in sein Gesicht schauen.
Für einen kurzen Augenblick meinte sie, der Leibwächter sei gereizt,
wegen dem was sie sagte. Jedoch war sie dem germanischen genausowenig
möchtig, wie die meisten Germanen das Latein nicht behrrschten. Mit
verschränkten Armen und beleidigtem Gesicht stand sie wieder vor dem
König. Dieser holte nun tief Luft und begann zu sprechen und zu Vespas
großer Verwunderung:

"Du bist ein sehr lebhaftes Mädchen,
Kleine. Ich Rhogâw, der König. Ich habe mit Vater eine Vereinbarung. Du
sollst heiraten, meinen Sohn Châukiz."

Sie beugte sich nach vorne und zickte ihn förmlich ins Gesicht:
"Ich mache was mir passt und ich heirate wen ich will. Mein Vater hat mir garnichtsmehr zu befehlen."

"Du hast Recht. Dürres Weib sowieso nicht gut für meine Familie. Viel zu schwach. Trägt sicher nicht viele Kinder."

Das tat Vespa weh. Selbst in Rom galt sie als wunderschön und grazil. Sie
war schlank und war sehr weiblich für ihre 17 Jahre. Auf ihre Schönheit
hate sie bisher immer viel gegeben. Sie wollte gerade wieder
losmeckern, da unterbrach sie der König mit lautem Ton:

"Schluss! Du heiratest meinen Sohn. Du lernen wie du hier leben musst. Er wird dir zeigen! Nun geh!"
Der König zeigte auf den Leibwächter, dieser verbeugte sich vor Vespa und
reichte ihr die Hand, sie zu führen. Sie ging hocherhobenen Hauptes an
ihm vorbei und reichte ihm nicht die Hand. Der Leibwächter seufzte und
folgte ihr hinaus. Draußen zeigte er auf ein anderes Langhaus am
anderen Ende des Dorfes.

"Nagut dann gehe ich halt dorthin. Du wirst mich ja woeiso schlagen, wenn ich es nicht tue."
Und sie trappte los. Der Leibwächter seufzte erneut.

Auf dem Weg sah sich Vespa die kleine Siedlung an. Ein wenig kam ihr es vor
wie auf einem großen Hof mit vielen Sklaven. Die Siedlung war wie ein
großes Haus. Alle arbeiteten untereinander und schienen sich innerhalb
der Siedlung nicht viel aus Wohnungsgrenzen zu machen. Besonders viele
Menschen lebten jedoch nicht hier. Und wie sie viele bei ihrer Arbeit
ansah, wie dreckig und schmutzig sie dabei manchmal waren begann sie
laut über ihren zukünftigen Gatten nachzudenken.

"Ich wette
er ist dreckig. Ein Barbar. Und ungewaschene Haare wird er haben. Und
er ist sicher dumm, wie der ganze Rest von diesem Dorf hier. Den ganzen
Tag nur Schlagen und Töten. So einer wird es sicher sein, wie die
wilden in der Arena die ich immer gesehen habe. Oh mein Gott wie soll
ich das nur aushalten. Ich hätte selbst den fettesten ekelhaftesten
Senatoren lieber genommen als solch einen wilden Unmenschen."

Der Leibwächter betrat nun mit ihr das andere Langhaus. Es war ein weniger
unspektakulärer als die Halle des Königs. Doch auch hier fanden sich
kunstvolle Gegenstände.

"Ja, genau so habe ich mir das
vorgestellt, auch so ein Dreckshaus. Eine Sklavenunterkunft ist das.
Das passt sicher zu meinem Möchtegern-Ehemann. Eine Dreckshütte für
einen Dreckskerl."

Der Leibwächter stellte sich nun vor Vespa. Sein Gesicht war nicht wütend, aber fragend. Doch er sagte nichts.

"Na
was glotzt du so, findest du mich auch zu schwach um Kinder zu kriegen?
Na komm sag doch das ich hässlich bin oder wisst ihr Germanen nicht was
der Unterschied zwischen schön und hässlich ist. Wenn ich mir deine
Visage anschaue, dann wisst ihr das anscheinend nicht."

Der Leibwächter öffnete nun seinen Mund und eine recht sanfte und
freundliche Stimme ertönte. Und Vespa wäre nun am liebsten im Boden
versunken, denn ihr wurde plötzlich einiges klar:

"Liebe
Römerin. Ich weiß nicht, warum du mich so hasst. Ich finde dich nicht
hässlich. Du bist sehr schön. Und du würdest sicher wunderbare Kinder
gebären."

Vespa war mehr als verwundert. Der Leibwächter
sprach exaktes Latein. Er hatte also jedes einzelne ihrer Wörter
verstanden. Jetzt zählte sie eins und eins zusammen und erschrack vor
Scham so sehr, dass sie ihre Hände vor dem Gesicht verschränkte und
sich schämte wie eine Maus.

"Ich werde dir jetzt was zu Essen holen. Dort
liegt Kleidung für dich. Deine Toga wird dich nicht lange warm halten.
Und ich würde dir empfehlen NICHT zu fliehen. Wenn du gehen möchtest,
dann bringe ich dich gerne fort. Es würde mich jedoch freuen wenn du
hier bleibst."

Mit diesen Worten ging der Leibwächter an ihr vorbei und machte sich an, das Langhaus zu verlassen.

"Vespa. Mein Name ist Vespa." brachte sie doch noch leise hervor.

Der Leibwächter tat sich um und blickte sie lächelnd an.
"Sei mir gegrüßt Vespa. Mein Name ist Châukiz."

Vespa tat sich erschrocken um:
"Du? Du bist der Sohn des Königs? Du bist der, den ich heiraten soll?"

Dann grinste er sie an:
"Ja. Der bin ich."

Mit diesen Worten verließ er das Langhaus und ließ Vespa, die sich jetzt
mehr als dumm vorkam, alleine. Sie hatte wohl die Germanen
unterschätzt. Ganz so dumm schienen sie nicht zu sein, zumindest nicht
ihrer herrschende Klasse. Jetzt konnte sie dem furchtbaren Gespenst
"Ehemann" von dem sie bislang garnichts wusste und auch nichts wissen
wollte endlich ein Gesicht zuordnen. Und auch dachte sie an das was er
gesagt hatte. Und da bekam ihre milchzarte Haut plötzlich eine rote
Färbung, denn siue dachte an das was Châukiz zu ihr sagte.
"Ich finde dich nicht hässlich. Du bist sehr schön." "Es würde mich jedoch freuen, wenn du hierbleibst"
Das war das freundlichste, was sie seit dem Abschied von ihrer Familie
gehört hatte.Und je mehr sie darüber nachdachte, desto vertrauter wurde
ihr der Gedanke seinen Ratschlag zu befolgen, nicht zu fliehen.
Vespa streifte die Kleidung über, die für sie dort lag. Es war ein einfaches
Gewand aus dickem Leinenstoff und lederne Schuhe. Auch ein guter Gürtel
mit einer Tasche waren dabei. Und was Vespa am meisten freute, dort
lagen unzählige Spangen und Schmuck für ihre Haare. Auch ein Gerät,
dass sie in Rom als "Kamm" kannte lag dort. In einem kleinen
Wasserbecken konnte sie ihr Spiegelbild sehen und sich betrachten.
Während sie die SPangen und den Schmuck versuchte anzubringen dachte
sie darüber nach, was ihr hier wohl noch alles wiederfahren würde.

Alfherî

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3

Samstag, 19. September 2009, 21:11

Es dauerte nicht lange und Châukiz trat ein. Vespa tat sich erschrocken um, da sie nicht wusste, dass er es war. Sie fürchtete noch immer, dass hier jemand über sie herfallen würde. Aber auch der noch fremde Châukiz war ihr nicht ganz geheuer. Dieser erhob eine Hand zur um sich zu entschuldigen:

"Verzeih mir. Ich wollte dich nicht erschrecken. In meinem Haus brauchst du dich vor nichts zu fürchten. Niemand außer meiner direkten Verwandtschaft darf hier eintreten."

Vespa nickte, um überhaupt etwas zu sagen. Ihr war es immer noch unheimlich peinlich, da sie wusste, was sie alles gesagt hatte. Und sie konnte ja nicht wissen, dass Châukiz Latein sprach und dazu auch noch so gut. Und sie wusste auch nicht, wie er darauf reagieren würde, dass sie ihn mit allem möglichen beschimpft hatte. Erst jetzt lenkte sie ihren Blick auf Châukiz´ Holztablett. Auf ihm lagen 2 Brote, etwas getrocknetes Fleisch, Beeren und eine Schale mit einer zähen Flüssigkeit die Vespa NOCH nicht identifizieren konnte. Châukiz stellte das Tablett ab und holte etwas aus einem Tuch hervor:

"Das ist eine Tonschale. Ich habe sie für dich gemacht. Ich dachte, es wäre dir vielleicht vertrauter, von römischen Besteck zu essen."

Er setzte sich zu ihr und begann zu essen. Vespa schaute ihm verwundert zu. Ihre Mutter hatte ihr erzählt, dass Germanen beim Essen schmatzten wie Schweine und dabei sabberten. Aber Châukiz aß ganz normal und sie wunderte sich, dass er bisher nichts wegen ihren Beleidigungen gesagt hatte. Und dann sah sie die römisch aussehende Tonschale. Sie war gut gearbeitet, glatt und gleichmäßig. Sie nahm sich etwas Brot und ein paar Beeren. Sie aß aber nur zögerlich und dachte nach. Eines wollte sie unbedingt wissen:

"Chakis?"
"Es heißt Ch-au-kies."
"Châukiz, darf ich dich etwas fragen."
"Natürlich."
"Wieso sprichst du Latein?"
"Ein Zenturio brachte es mir bei?"
"Ein Zenturio?"
"Ja. Er wurde mitsamt seiner Kohorte geschlagen und verirrte sich ihm Wald. Ich führte ihn hinaus und zum Dank nahm er mich 3 Jahre als sein Diener mit nach Arretium."
"Du warst in Arretium?"
"Ja. Und in Rom, in Athen, in Massilia. Ich war sogar in Londinium. Ich spreche auch griechisch und keltisch."

Vespa war sehr überrascht, sie hatte mit einer schlichten Antwort gerechnet, aber sie hatte niemals damit gerechnet, dass Barbaren auch so etwas wie "Bildung" haben könnten.

"Wie alt bist du, Châukiz?"
"Ich bin 23."
"Haha, dann glaube ich dir kein Wort. Dann müsstest du ja ein Kind gewesen sein, als du hier fortgingst."
"Also ich war 7 als ich den Zenturio gerettet habe."
"Das glaube ich dir nicht."
"Ist dir nicht bereits aufgefallen, dass alles etwas anders sein könnte, als du denkst?"
"Was willst du damit sagen?"
"Du hättest auch niemals damit gerechnet, dass ich jedes Wort von dir verstehe. Sonst hättest du mich sicher nicht so beschimpft."

Vespa zog sich ein wenig zurück, weil die Pein in diesem Satz sofort zurückkehrte. Châukiz nahm sanft ihre Hand:

"Schäme dich nicht. Es ist mir lieber, dass ich weiß was du über mich denkst. Wenn ich nicht weiß, was dir an mir missfällt, dann kann ich mein Verhalten dir gegenüber auch nicht verbessern."

Jetzt hatte Vespa aber genug. Sie hatte die ganze Zeit schon das Gefühl, dass Châukiz ihr etwas vormacht. Sie hatte mit einem wilden bösen Mann gerechnet, aber nicht mit dem da. Er war höflich, gebildet, geduldig, vielleicht ein wenig zu stolz, aber allemal nicht das, was sie erwartet hatte.

"Ich möchte jetzt endlich wissen, warum du so nett zu mir bist? Das kann überhaupt nicht sein! Du willst mir nur etwas Vormachen, um mein Vertrauen zu gewinnen! Also sag mir warum du so zu mir bist!"

Châukiz wusste erst nicht sorecht was er sagen sollte. Er wusste ja, dass sie ihm warscheinlich nicht glauben würde. Also erzählte er einfach:

"Ich sage dir jetzt mal was! Glaubst du ich habe mir diese Hochzeit ausgesucht? Ganz sicher nicht. Unsere Nachbarstämme sehen uns als Verräter an, dieses ganze Dorf. Mein Vater jedoch glaubt an das woran wir alle glauben. Das wir miteinander leben müssen. Wir können uns auch bekriegen, wenn wir uns respektieren. Aber dieser Krieg gegen die Römer dauert schon zu lange. Es ist zuviel Blut geflossen und es gibt wenige, die einfach leben wollen, wie es unsere Götter verlangen."

"Du wolltest also garnicht heiraten?"

"Nein. Aber ich muss tun, was mein Vater verlangt. Das war schon immer so. Ich habe mich damit abgefunden jemanden zu heiraten, den ich nicht kenne, nur um des Friedens willen."

Nun stand er auf und gab ihr die kleine Schale mit der zähen goldenen Flüssigkeit. Es war feinster Honig. Allerfeinster Honig aus den germanischen Wäldern. Seöbst in Rom eine absolut unbezahlbare Ware. Ein kleiner Löffel voll kostete in Rom 5000 Denar.

"Und wenn ich ganz ehrlich sein soll. Als ich dich sah freute ich mich. Ich bin in vielen Städten Roms gewesen und habe viele Frauen gesehen, aber Balder hat mir Glück geschenkt und mir eine der schönsten Frauen Roms geschenkt. Du bist anmutig und schön. Und ein solch schönes Äußeres hat sicherlich keinen hässlichen Kern. Und dieser Honig ist mein Geschenk an dich."

Vespa wurde rot wie ein Apfel. Sie hatte ihn mit solchen Dingen beschimpft und er schien sie sogar zu mögen, sogar ein wenig zu begehren. Sie nahm einen FInger von dem Honig und ihr Gaumen explodierte beinahe vor Freude. Dieser Honig war würzig und zugleich köstlich süß. Nie zuvor hatte sie so etwas geschmeckt. Sie wusste garnicht wie ihr geschah. Für einen kurzen Moment verflog die Fremde und sie fühlte sich sehr wohl. Ob Châukiz ihr etwas vormachte oder nicht, wusste sie immer noch nicht. Aber sie begann auch die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass er die Wahrheit sprach.

"Ich möchte dich jedoch um eines Bitten, Vespa. Wenn es Nacht ist, versuche bitte nicht zu fliehen. Das könnte größere Probleme verursachen, als du glaubst. Wie ich sagte, wenn du gehen möchtest, bringe ich dich gerne fort. Aber bitte gehe niemals ohne Begleitung in den Wald."

"In Ordnung."
sagte Vespa, obwohl sie genau wusste, dass es gelogen war.

"Gut. Heute Nacht muss ich fort und werde nicht in meinem Haus sein. Doch wie ich sagte, dir wird hier nichts geschehen. Ich habe dort hinten ein Bett für dich errichtet. Ich wünsche dir eine gute Nacht, Vespa. Und...ich hoffe es war nicht alles ganz so schlimm, wie du erwartet hast."

Mit diesen Worten verließ Châukiz das Langhaus und ließ Vespa alleine. Diese aß auf und betrachtete das für sie hergerichtete Bett. Es war ein Holzrahmen mit Stroh gefüllt und darüber ein dickes weiches Leinentuch. Darauf eine Decke aus Fell und ein Kissen. Sie musste zugeben, dass es recht gemütlich aussah. Und als sie darauf saß befand sie es auch für gemütlich und legte sich ganz darauf.
Sie starrte an die Decke und wartete nur darauf, dass es dunkel genug würde, um stiften zu gehen.

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